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Vishnu

Vishnu ist einer der zentralen Hauptgötter des Hinduismus und verkörpert das Prinzip der Erhaltung. Seine Aufgabe ist es, die kosmische und moralische Ordnung, den Dharma, zu bewahren. Wenn das Gleichgewicht der Welt bedroht ist, greift Vishnu ein. Dies geschieht durch seine zahlreichen Inkarnationen, die Avataras. Vishnu erscheint dabei in tierischer oder menschlicher Gestalt. Zu seinen bekanntesten Formen zählen Rama und Krishna. Ikonografisch wird er meist mit vier Armen dargestellt. Seine Attribute stehen für Schutz, Macht und Weisheit. Vishnu spielt eine zentrale Rolle in Mythologie, Philosophie und religiöser Praxis.

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Darstellung des Gottes Vishnu auf seinem Reittier Garuda. Vishnu erscheint mit vier Armen und hält seine typischen Attribute: Chakra, Muschelhorn, Keule und Lotus. Garuda, halb Mensch und halb Adler, trägt ihn durch den himmlischen Raum. Die leuchtende, goldene Szenerie symbolisiert Schutz, göttliche Ordnung und die bewahrende Kraft Vishnus im Hinduismus.

Vishnu

Vishnu (Sanskrit: विष्णु, Viṣṇu, deutsch auch Wischnu) ist eine der zentralen Gottheiten des Hinduismus und wird bereits in den Veden erwähnt. Im Vishnuismus gilt er als Manifestation des höchsten Göttlichen. Seine weibliche Energie (Shakti) ist Lakshmi, die Göttin von Glück, Wohlstand und Ordnung, die als seine Gemahlin verehrt wird.

Ursprünglich war Vishnu eine vedische Gottheit mit kosmischer Bedeutung, jedoch noch nicht von herausragender Stellung. Im Rigveda erscheint er vor allem als Licht-, Sonnen- und Raumgott, der Zeit und Ordnung in Bewegung setzt. Er durchdringt das Universum, misst den Raum aus und verleiht der Welt Struktur. Vishnu zählt zu den Adityas, den Söhnen der Göttin Aditi, die in manchen Traditionen ebenfalls als seine Gefährtin gilt.

Eine zentrale vedische Erzählung ist Vishnus Tat als Trivikrama: In drei Schritten misst er Aufgang, Höchststand und Untergang der Sonne aus. In der Gestalt des Zwerges Vamana, der zum Riesen heranwächst, nimmt er die drei Welten (Triloka) in Besitz und macht sie für Götter und Menschen bewohnbar. Diese Figur wird später zur fünften Avatara Vishnus. Bereits hier zeigt sich seine Rolle als ordnende und erhaltende Kraft des Kosmos.

Mit dem Übergang vom vedischen zum klassischen Hinduismus steigt Vishnu zu einer der wichtigsten Gottheiten auf. Er übernimmt zunehmend Aufgaben, die zuvor dem Gott Indra zugeschrieben waren: den Schutz der Welt, den Kampf gegen Dämonen (Asuras) und die Bewahrung der kosmischen Ordnung. Vishnu wird damit zum Hüter des Dharma, der universellen und moralischen Ordnung.

Vishnu in der Trimurti

Vishnu ist Teil der Trimurti, der drei grundlegenden Wirkprinzipien des Göttlichen:

  • Brahma – Schöpfung

  • Vishnu – Erhaltung

  • Shiva – Auflösung

Innerhalb dieser Dreiheit ist Vishnu für den Erhalt der Welt verantwortlich. Er greift ein, wenn das Gleichgewicht bedroht ist, und erscheint dann als Tier oder Mensch auf der Erde. Außerhalb der Trimurti vereinen sowohl Vishnu als auch Shiva alle drei Aspekte in sich. Vishnu ist nicht nur bewahrend, sondern kann auch zerstörend wirken, etwa durch seine Wurfscheibe (Chakra). Eine symbolische Vereinigung beider Prinzipien ist die Gestalt Harihara.

Darstellung und Attribute

Vishnu wird meist mit vier Armen dargestellt. In seinen Händen hält er:

  • das Chakra (Wurfscheibe) als Waffe gegen Chaos

  • das Shankha (Schneckenhorn) als Ruf zur Ordnung

  • den Padma (Lotus) als Symbol von Reinheit und Weisheit

  • die Gada (Keule) als Zeichen göttlicher Macht

Er trägt eine hohe, topfförmige Krone. Sein Reittier (Vahana) ist der Adlerwesen Garuda. Häufig wird Vishnu als Narayana gezeigt, ruhend auf der kosmischen Schlange Ananta (Shesha) auf dem Urmeer.

Namen und Erscheinungsformen

Vishnu besitzt zahlreiche Beinamen, die seine unterschiedlichen Aspekte beschreiben, darunter Hari, Narayana, Bhagavan, Jagannath, Vasudeva oder Vishvarupa. In Südindien ist er unter Namen wie Tirumal, Perumal oder Ranganatha bekannt.

Die Avataras Vishnus

Vishnu offenbart sich in zahlreichen Avataras, um den Dharma wiederherzustellen. Zu den wichtigsten zählen:

  • Matsya (Fisch)

  • Kurma (Schildkröte)

  • Varaha (Eber)

  • Narasimha (Mann-Löwe)

  • Vamana (Zwerg)

  • Parashurama

  • Rama

  • Krishna

  • Buddha oder Balarama (je nach Tradition)

  • Kalki, die zukünftige Inkarnation

Besonders bedeutend sind Rama und Krishna, die zentrale Rollen in den großen Epen und der Bhagavad Gita spielen.

Nach den Überlieferungen wird Kalki am Ende des Kali-Yuga erscheinen, um die Welt von Unordnung zu reinigen und den Dharma neu zu begründen. Diese endzeitliche Vorstellung führte im 20. Jahrhundert vereinzelt dazu, dass Vishnu-Anhänger auch Parallelen zu anderen Erlöserfiguren sahen.