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Krishna und die Butter

Einleitung

Krishna war nicht nur ein großer Lehrer, sondern auch ein ausgesprochener Butterliebhaber. In Vrindavan verband er Weisheit mit Lachen und machte Spiritualität erstaunlich alltagstauglich. Diese Geschichte zeigt ihn verspielt, listig und zugleich tiefgründig. Sie erinnert daran, dass Liebe leichter wird, wenn man sie nicht kontrollieren will. Zwischen leeren Töpfen und lachenden Gopis versteckt sich eine klare Botschaft. Und die kommt ganz ohne Zeigefinger aus.

Falls du gerade keine Lust auf klebrige Finger hast: kein Problem. Krishna hat schon genug Butter. Du kannst entspannt zur nächsten Geschichte weitergehen.


Krishna sitzt lächelnd in Vrindavan mit einem Buttertopf und erinnert spielerisch daran, dass Liebe nicht festgehalten werden kann.

Krishna und der Streit um die Butter

In Vrindavan wusste jeder zwei Dinge ganz sicher: Krishna war überall – und die Butter war nie dort, wo sie hätte sein sollen. Die Gopis stellten ihre Töpfe hoch, banden sie fest, bewachten sie sorgfältig. Und trotzdem war am Morgen die Butter weg. Meistens mit deutlichen Spuren kleiner Finger.

Eines Tages beschlossen sie, Krishna endlich zur Rede zu stellen. Sie fanden ihn unter einem Baum, entspannt, mit unschuldigem Blick und verdächtig glänzenden Lippen.„Krishna“, sagten sie streng, „du stiehlst unsere Butter.“

Krishna legte den Kopf schief. „Stehlen? Wie kann man stehlen, was einem freiwillig gegeben wird?“„Wir haben sie dir nicht gegeben!“„Doch“, sagte Krishna ruhig. „Ihr habt sie mit Liebe gemacht.“

Die Gopis stöhnten. „Liebe ist kein Freibrief!“Krishna lachte. „Doch, genau das ist sie.“

Eine von ihnen fragte: „Warum ausgerechnet Butter?“Krishna überlegte kurz. „Weil sie aus Milch kommt. Und Milch aus Fürsorge. Und Fürsorge aus Liebe. Ich nehme nur das Wesentliche.“

Die Gopis versuchten streng zu bleiben, aber es wurde schwierig. Krishna sprach weiter:„Ihr bindet die Butter hoch, weil ihr Angst habt, sie zu verlieren. Aber Liebe verliert man nicht, indem man sie teilt.“

Ein alter Hirte, der alles beobachtet hatte, murmelte: „Dann hätte er auch die Töpfe zurückbringen können.“Krishna grinste. „Manche Lektionen brauchen Spuren.“

Am Ende lachten die Gopis trotz sich selbst. Sie wussten, dass sie morgen wieder Butter machen würden. Und dass sie wieder fehlen würde. Und dass sie sich trotzdem freuten.

Denn Krishna nahm ihnen nichts weg. Er zeigte ihnen nur, dass Anhaftung schwerer wiegt als Butter – und dass Freude leichter wird, wenn man sie nicht festhalten will.

Und so blieb Vrindavan voller Lachen, leerer Töpfe und einer Wahrheit, die sich nicht lagern ließ:Das Göttliche kommt selten angekündigt.Aber fast immer mit einem Lächeln.