Zum Hauptinhalt springen

Dattatreya und seine Lehrer

Einleitung

Dattatreya gehört zu den ungewöhnlichsten Gestalten der indischen Weisheit. Er hat nicht nur drei Köpfe, sondern auch eine sehr entspannte Art zu lernen. Statt sich auf einen einzigen Lehrer zu verlassen, ließ er sich von allem unterrichten, was ihm begegnete. Diese Geschichte zeigt Weisheit mit Humor und ohne steife Regeln. Sie lädt dazu ein, den Alltag mit etwas mehr Aufmerksamkeit und weniger Ernst zu betrachten. Denn Erkenntnis versteckt sich oft dort, wo man sie nicht sucht.

Falls du heute lieber nur einen Lehrer akzeptierst: kein Problem. Dattatreya nimmt es gelassen. Die nächste Geschichte wartet schon auf dich.


Dattatreya lehrt Weisheit durch alltägliche Beispiele.

Dattatreya und die sehr ungewöhnlichen Lehrer

Dattatreya war ein Yogi, den man schwer einordnen konnte. Er wanderte umher, lachte viel, sprach mit Fremden – und lernte von Dingen, die andere nicht einmal beachteten. Wer ihn fragte, wer sein Guru sei, bekam selten die Antwort, die er erwartete.

Eines Tages sprach ihn ein gelehrter Brahmane an.„Man sagt, du seist sehr weise“, sagte er. „Wer hat dich unterrichtet?“Dattatreya grinste. „Vierundzwanzig Lehrer.“

Der Brahmane war beeindruckt. „So viele? Und wo finde ich sie?“Dattatreya zeigte auf die Umgebung. „Hier. Und dort. Und da drüben.“

Er begann zu erklären. Sein erster Lehrer sei die Erde gewesen. „Sie trägt alles“, sagte er, „und beschwert sich nicht.“Der Brahmane nickte ernst.

Dann kam der Wind. „Er berührt alles, bleibt aber nirgends hängen.“Der Brahmane nickte noch ernster.

Als Nächstes nannte Dattatreya den Hund.Der Brahmane blinzelte. „Den… Hund?“„Ja“, sagte Dattatreya fröhlich. „Er ist zufrieden, wenn er satt ist. Mehr will er nicht.“

Es folgten ein Dieb, eine Schlange, ein Kind, ein Fisch und sogar eine Motte. Bei jedem Lehrer wurde der Brahmane verwirrter.„Warum lernst du nicht von großen Meistern?“ fragte er schließlich.

Dattatreya lachte. „Weil große Meister oft erklären wollen. Meine Lehrer zeigen einfach.“

Er erzählte von der Motte, die vom Licht angezogen wird und daran zugrunde geht. „Zu viel Verlangen“, sagte er, „endet heiß.“Vom Fisch, der wegen seines Geschmacks gefangen wird. „Ein Zungenproblem“, meinte Dattatreya trocken.Vom Kind, das lacht, ohne Grund. „Sehr fortgeschrittene Praxis“, fügte er hinzu.

Der Brahmane setzte sich. Sein Kopf war voll, sein Herz leicht verwirrt.„Und was ist die wichtigste Lehre?“ fragte er leise.

Dattatreya sah ihn freundlich an. „Dass du überall lernen kannst – wenn du aufhörst, dich für zu klug dafür zu halten.“

Dann stand er auf, verabschiedete sich höflich und ging weiter.Vielleicht, um vom nächsten Vogel, Stein oder Missgeschick etwas zu lernen.

Und wer Dattatreya später suchte, fand ihn selten.Aber seine Lehrer waren überall.