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Birbal schlichtet einen Streit unter einem Baum

Birbal und der geschenkte Schatten

An einem heißen Tag erschien ein Mann am Hof von Kaiser Akbar. Er war wütend und redete ohne Pause.„Majestät“, rief er, „mein Nachbar schuldet mir Geld. Ich habe ihm erlaubt, sich unter meinem Baum auszuruhen. Nun behauptet er, der Schatten sei kostenlos gewesen.“

Der Nachbar trat vor und verbeugte sich.„Ich habe nur im Schatten gesessen“, sagte er ruhig. „Der Baum gehört ihm, ja. Aber der Schatten fällt von selbst.“

Die Höflinge begannen zu diskutieren. Einige lachten, andere nickten ernst. Akbar hörte zu, dann wandte er sich an Birbal.

Birbal trat vor, betrachtete beide Männer und fragte:„Wo steht der Baum?“

„Direkt zwischen unseren Häusern“, sagte der Kläger.

Birbal nickte. „Gut.“

Er wandte sich an den Nachbarn. „Du darfst den Schatten weiter nutzen“, sagte er ruhig. „Aber du darfst ihn nicht bewegen.“

Der Mann sah ihn verwirrt an. „Wie soll ich das tun?“

Birbal lächelte. „Ganz einfach. Setz dich still hin. Sobald du dich bewegst, verlässt du den Schatten.“

Ein Murmeln ging durch den Hof.

Birbal fuhr fort: „Der Baum steht fest. Der Schatten wandert von selbst. Wer ihn festhalten will, hält nichts. Wer ihn verschenkt, verliert nichts.“

Akbar lachte leise. Der Kläger schwieg. Der Nachbar verneigte sich.

Der Streit war beendet. Kein Geld wechselte den Besitzer. Der Baum blieb stehen. Der Schatten zog weiter.

Birbal kehrte an seinen Platz zurück.

Und am Hof lernte man an diesem Tag,dass man nichts besitzt, was von selbst weiterzieht.