Karma in der Lehre indischen Religionen
Karma ist ein zentrales Konzept in mehreren indischen Religionen. Es beschreibt das Prinzip von Handlung und Konsequenz über das individuelle Leben hinaus. Jede bewusste Tat gilt als Ursache für zukünftige Wirkungen. Karma ist dabei kein Strafsystem, sondern ein neutrales Gesetz. Die Lehre findet sich im Hinduismus, Buddhismus und Jainismus mit unterschiedlichen Auslegungen. Entscheidend sind Absicht, Handlung und geistige Haltung. Karma beeinflusst Wiedergeburt, Lebensumstände und spirituelle Entwicklung. Befreiung entsteht durch Erkenntnis, ethisches Handeln und Loslösung. Das Konzept prägt Denken, Moral und Alltag vieler Menschen in Indien.
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Karma – Bedeutung, Ursprung und Wirkung im Hinduismus
Karma (Sanskrit: कर्म karman, Pali: kamma – „Handlung“, „Wirken“) ist ein zentrales spirituelles Konzept der indischen Religionen. Es beschreibt das Gesetz von Ursache und Wirkung auf geistiger, moralischer und spiritueller Ebene: Jede Handlung, jedes Wort und jeder Gedanke hat unausweichlich eine Folge. Diese Wirkung zeigt sich nicht zwingend im aktuellen Leben, sondern kann sich auch in zukünftigen Existenzen entfalten.
Karma und Samsara: Der Kreislauf der Wiedergeburten
In Hinduismus, Buddhismus und Jainismus ist Karma untrennbar mit Samsara, dem Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt, verbunden. Karma wirkt dabei nicht als göttliche Belohnung oder Strafe, sondern als unpersönliches Gesetz. Es existiert kein richtender Weltenrichter. Entscheidend ist allein die innere Motivation hinter einer Tat.
Wichtig ist:Nicht nur „schlechtes“, sondern auch „gutes“ Karma bindet den Menschen an Samsara. Das höchste Ziel ist daher nicht gutes Karma anzuhäufen, sondern gar kein Karma mehr zu erzeugen, um Befreiung (Moksha) zu erlangen.
Historischer Ursprung der Karma-Lehre
Die Vorstellungen von Karma und Samsara sind bereits ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. in den indischen Schriften belegt. Sie bilden eine der Grundlagen des Hinduismus. Besonders in den Upanishaden wird gelehrt, dass Erlösung durch die Erkenntnis erlangt wird, dass die individuelle Seele (Atman) im Wesenskern identisch mit der Weltseele (Brahman) ist.
Auch in mitteleuropäischen spirituellen Strömungen, etwa in der Anthroposophie Rudolf Steiners, taucht der Karma-Begriff im Zusammenhang mit Reinkarnation auf.
Karma und Dharma: Pflicht und Verantwortung
Eng mit Karma verbunden ist der Begriff Dharma, das kosmische und soziale Gesetz. Jeder Mensch hat seinen eigenen Dharma, dessen Erfüllung darüber entscheidet, ob Handlungen gutes oder schlechtes Karma bewirken.
Sadharana-Dharma: Allgemeine Pflichten für alle Menschen, z. B.Gewaltlosigkeit (ahimsa), Wahrhaftigkeit (satya), Geduld (ksanti), Selbstdisziplin (dama), Mildtätigkeit (danam) und Gastfreundschaft (atithi).
Svadharma: Die individuelle Pflicht, abhängig von Lebenssituation und gesellschaftlicher Rolle.
So kann etwa ein Krieger (Kshatriya) im Rahmen seines Dharma handeln, ohne schlechtes Karma zu erzeugen, während dieselbe Tat aus egoistischen Motiven sehr wohl karmische Folgen hätte. Die Verbindung von Karma und Dharma verleiht der indischen Ethik eine starke moralische Tiefe und bietet auch Erklärungsansätze für Leid und soziale Ungleichheit.
Karma im Mahabharata und in der Bhagavad Gita
Im Mahabharata werden verschiedene Auffassungen zur Wirkungsweise von Karma beschrieben. Eine verbreitete Sicht ist, dass Handlungen ihre Folgen automatisch hervorbringen. Andere Lehren betonen zwei bindende Ursachen:
Unwissenheit (avidya)
Begierde (lobha)
Diese trüben die Erkenntnis und verhindern Befreiung. Die karmischen Eindrücke haften am Geist (manas) und beeinflussen zukünftige Verkörperungen.
Zur Frage der Vergeltung existieren mehrere Vorstellungen:
Wiedergeburt in einem durch Karma bestimmten Körper
Zwischenzustände in Himmel oder Hölle (nicht endgültig)
Abbau von Karma durch religiöse Verdienste (punya), etwa durch Rituale, Fasten, Wallfahrten, Mildtätigkeit oder Tempelbauten
Pravritti und Nivritti: Handeln oder Entsagung
Zwei grundlegende spirituelle Wege stehen sich gegenüber:
Pravritti – der Weg des Handelns:Taten werden bewusst vollzogen, ohne an ihren Früchten zu haften.
Nivritti – der Weg der Entsagung:Rückzug aus der Welt, Überwindung des Lebensdurstes und Befreiung durch Erkenntnis (vidya).
Beide Wege werden im Mahabharata dargestellt. In der Bhagavad Gita bevorzugt Krishna jedoch den Yoga des Handelns ohne Anhaftung:
„Vollzieh das notwendige Werk, denn Tun ist besser als Nichttun.“(Bhagavad Gita 3, 8–9)
Karma im spirituellen Alltag
Der Mensch ist frei und vollständig für sein Karma verantwortlich. Dennoch vertrauen besonders die Bhakti-Traditionen auf die bedingungslose Gnade Gottes, die karmische Wirkungen auflösen kann.
Eine zentrale Erkenntnis der Karma-Lehre lautet:Auch eine äußerlich „schlechte“ Tat kann positive Wirkung haben, wenn sie aus reinen, selbstlosen Motiven geschieht.
Karma lehrt, nicht alles kontrollieren zu wollen, sondern achtsam mit dem umzugehen, was das Leben bringt, Verantwortung zu übernehmen und anderen zu helfen. Die Gesamtheit der Wirkungen übersteigt das begrenzte menschliche Verständnis – und öffnet den Blick für eine tiefere Ordnung des Daseins.
