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Die indische Küche

Die indische Küche ist so vielfältig wie das Land selbst und reicht von einfachen Alltagsgerichten bis zu aufwendig gewürzten Festmahlen. Sie verbindet jahrtausendealte Traditionen mit regionalen Besonderheiten und religiösen Einflüssen. Reis, Linsen, Gemüse, Gewürze und Fladenbrote bilden die Grundlage vieler Mahlzeiten. Jede Region Indiens hat dabei ihre eigenen Rezepte, Zubereitungsarten und Geschmackswelten. Schärfe, Süße, Säure und Würze werden bewusst miteinander kombiniert, um ein ausgewogenes Geschmackserlebnis zu schaffen. Essen ist in Indien nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern Teil von Kultur, Gemeinschaft und Alltag. Wer sich darauf einlässt, entdeckt weit mehr als nur „Curry“. Die indische Küche erzählt Geschichten von Klima, Religion, Handel und Lebensweise.

Falls dein Geist gerade eher nach leicht verdaulicher Kost verlangt als nach Gewürzvielfalt und langen Erklärungen – kein Karma-Problem. Du darfst diese kulinarische Reise jederzeit überspringen und einfach zur nächsten Geschichte weiterziehen.

Traditionelles indisches Thali auf einer runden Metallschale mit Basmatireis in der Mitte, umgeben von verschiedenen Currys, Dal, Kichererbsengerichten, Joghurt-Raita, Chapati, Samosa, Pickles und einem süßen Gulab Jamun.

Die Indische Küche

Die indische Küche – Überblick

Die indische Küche erlangte vor ungefähr 30 Jahren Popularität in der westlichen Welt, hauptsächlich durch Tourismus und durch Auswanderung. Eines der bekanntesten Gerichte dürfte Curry sein, das in unserem Sprachgebrauch eher einem wohl gewürzten Ragout entspricht. Heutzutage gibt es zahlreiche indische Restaurants in ganz Europa.

Die indische Küche umfasst viele unterschiedliche regionale Gerichte und Kochstile, die vom Himalaya bis zur Südspitze Indiens reichen. Charakteristisch für die Küche des gesamten Subkontinents sind Currys und die Vielfalt der Gewürze.

Die Vielfältigkeit der indischen Küche spiegelt nicht nur die enorme Größe des Landes, sondern auch dessen Religions- und Kulturgeschichte wider. So findet man in der indischen Küche viele Elemente der orientalischen Küche wie zum Beispiel Pilaw, aber auch westliche Einflüsse der ehemaligen Kolonialmächte wie Tomaten, Kartoffeln und Chili.

Grundnahrungsmittel und tägliche Küche

Die indische Grundnahrung, die man auch im entlegensten Winkel bekommt, besteht aus Reis (Pullao – gekochter Reis, es gibt sehr viele verschiedene Reissorten in Indien und ebenso viele Namen dafür), Dal (Linsenbrei), Gemüse und Chapati. Reis wird vielfach mit Safran gekocht, was ihm seine gelbe Farbe verleiht.

Fladenbrote

Chapati ist ein Fladenbrot, das aus Mais-, Weizen- oder anderem Mehl mit Wasser angerührt wird. Daraus werden flache Fladen geformt, die auf einer runden Platte über dem Feuer unter mehrmaligem Wenden gebacken werden.

Neben Chapati gibt es weitere Brotvarianten:

  • Puri: aus Mehl, Wasser und Salz, zusätzlich mit Ghee; der Teig wird dünn ausgerollt und in Öl schwimmend gebacken, wobei sich die Puris aufblähen

  • Paratha: aus Vollkornmehl, Wasser und Ghee, in der Pfanne geröstet, auch mit zahlreichen Füllungen

  • Naan: Brot aus Hefeteig, besonders häufig in muslimisch geprägten Regionen

Currys, Snacks und Süßspeisen

Curry

Bei den Zutaten zum Reis kann man zwischen verschiedenen Currys wählen, z. B. Gemüse-, Fleisch-, Fisch- und Eiercurry. Curry ist nicht das bei uns bekannte Currygewürz, sondern eine in vielen Variationen auftretende Gewürzmischung beziehungsweise die daraus hergestellte Sauce. Jede Hausfrau bereitet ihr Curry nach eigenem Rezept zu, oft mit bis zu mehreren Dutzend Körnern und Kräutern.

Snacks

Als kleine Zwischenschleckereien sind Pakoras und Samosas sehr zu empfehlen.

  • Pakora: z. B. Eggpakora – Eier oder Gemüse werden in Teig gewälzt und frittiert

  • Samosa: Teigtaschen, meist mit Kartoffeln oder Gemüse gefüllt und frittiert

  • Dosa: knusprig gebackene Teigrollen, oft gefüllt, bis zu 50 cm lang

Süßigkeiten

  • Halwa: farbige, quadratische Süßigkeiten, oft mit Nüssen und essbarem Silber überzogen

  • Gulab Jamun: dunkelbraune Bällchen aus Milch, Zucker und Mehl

  • Barfi: hergestellt aus Kokosmus, Mandeln und Pistazien

Diese Süßigkeiten sind meist sehr süß – entsprechend sparsam genießen.

Obst, Hygiene und Essgewohnheiten

Bei der Auswahl von Obst gibt es kaum Schwierigkeiten: verschiedene Bananensorten, Apfelsinen, Ananas, Papayas, Kiwis, Mangos und vieles mehr. Schälbare Früchte sollten wegen der Hygiene bevorzugt werden.

Gegessen wird traditionell mit den Fingern der rechten Hand. Die linke Hand gilt als unrein und wird nicht zum Essen benutzt. Besonders in Südindien wird das Essen oft ohne Besteck serviert.

Regionale Unterschiede und persönliche Eindrücke

Jede Region Indiens hat ihre eigenen Spezialitäten, die sich genauso stark unterscheiden wie etwa englisches und griechisches Essen. Wer von Nordindien in den Süden reist, entdeckt viele neue Gerichte.

Ein typisches südindisches Frühstück besteht aus Idlis, flachen gedämpften Reiskuchen mit Linsengemüse und frischem Chutney. Mittags wird häufig Thali serviert: Reis mit verschiedenen Currys, angerichtet auf einem Bananenblatt. Nach dem Essen wird das Blatt entsorgt – ein vollständig biologisches Wegwerfgeschirr.

Die richtige Mischung der scharfen und milden Currys ist Teil der Esskultur. Gegen Schärfe helfen geraspeltes Kokosfleisch oder heißer Tee.

Getränke und Alkohol

Zu den Mahlzeiten trinkt man Wasser oder Chai. Wasser sollte wegen möglicher Krankheitserreger nur aus sicheren Quellen stammen.

Weitere Getränke:

  • Kaffee (seltener)

  • Kokoswasser

  • Lassi (Joghurt mit Milch oder Wasser)

  • Softdrinks (oft gepanscht)

  • Bier (je nach Bundesstaat unterschiedlich geregelt)

Harte Getränke sind regional Feni, Toddy oder Arrak. Sodawasser wird ebenfalls angeboten und teilweise sogar zum Zähneputzen verwendet.

Schärfe, Salz und Gesundheit

Das Essen ist im Allgemeinen sehr scharf, was die Magensaftproduktion anregt und die Verdauung fördert. Kräftiges Salzen hilft dem Körper, Wasser zu binden, das in der Hitze schnell ausgeschwitzt wird. Gewürze tragen zudem dazu bei, Darminfektionen vorzubeugen.

Religion und Ernährung

Viele Menschen glauben, die indische Küche sei rein vegetarisch. Tatsächlich ist vegetarische Ernährung eine persönliche Entscheidung, oft religiös geprägt.

  • Hindus essen kein Rindfleisch

  • Muslime essen kein Schweinefleisch

  • Jainas sind häufig strenge Vegetarier

  • Huhn ist in allen Gesellschaftsschichten beliebt

Die indische Küche kennt sechs Geschmacksrichtungen: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend. Eine Mahlzeit gilt als ausgewogen, wenn alle enthalten sind.

Medizinische Bedeutung der Gewürze

Viele Gewürze werden auch wegen ihres medizinischen Nutzens verwendet:

  • Nelken und Kardamom: antiseptisch

  • Ingwer: fördert die Verdauung

  • Kurkuma: gegen Hautkrankheiten und Entzündungen

  • Nim-Blätter: traditioneller Schutz vor Krankheiten

  • Tamarinde: Pflege der Stimme

Regionale Küchen Indiens

Nordindien

Im Norden dominieren Fleischgerichte, häufig kombiniert mit Joghurt oder Ghee. Bekannt sind Mughal-Currys und die Tandoori-Küche, bei der Fleisch, Fisch oder Geflügel im Tonofen gebacken werden. Die Gerichte sind meist weniger scharf und eher soßenartig.

Ostindien

Ostindien ist bekannt für Süßspeisen und Desserts. Reis, Gemüse und Süßwasserfisch sind Grundnahrungsmittel. Die bengalische Küche ist berühmt für Fisch- und Krabbencurrys mit Joghurt und Kokosnuss.

Westindien

Die Küche Westindiens ist stark von Küstenregionen geprägt. Fisch, Meeresfrüchte und Hirse spielen eine große Rolle. Bekannt sind Bombay Duck, indischer Lachs und Parsi-Gerichte wie Dhansak.

Südindien

Der Süden ist bekannt für scharfe, meist vegetarische Gerichte. Kokosmilch, Kokosraspeln und Kokosöl sind allgegenwärtig. Reis ist Grundnahrungsmittel, ergänzt durch Fladenbrote, Reispfannkuchen, Joghurtgerichte und Thalis, die traditionell auf Bananenblättern serviert werden.