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Birbal erklärt Kaiser Akbar mit einem Topf und einer Lampe die Ungerechtigkeit des Urteils.

Birbal und der Mann im kalten Wasser

In einer besonders kalten Winternacht ließ Kaiser Akbar einen Ausruf machen.Wer die ganze Nacht bis zum Morgengrauen im Fluss stehen könne, solle reich belohnt werden. Viele lachten darüber. Einige schüttelten den Kopf. Einer jedoch meldete sich.

Der Mann war arm, aber kräftig. Er stellte sich bei Einbruch der Dunkelheit ins Wasser. Die Kälte biss, der Wind schnitt, doch er blieb stehen. Die ganze Nacht. Als die Sonne aufging, trat er zitternd ans Ufer, lebendig, erschöpft – aber stolz.

Am Hof erzählte man von seiner Leistung. Akbar ließ ihn holen.

„Man sagt, du hättest Hilfe gehabt“, sagte der Kaiser.„Welche Hilfe?“ fragte der Mann verwirrt.„Ein Licht“, sagte Akbar. „Am anderen Ufer brannte eine Lampe. Sie hat dich gewärmt.“

Der Mann verstand nicht, doch widersprach er nicht. Akbar verweigerte den Lohn.

Birbal, der danebenstand, schwieg.

Am nächsten Tag lud Birbal den Kaiser zum Essen ein. In der Küche stand ein großer Topf mit Wasser. Darunter brannte kein Feuer. Stattdessen hing hoch oben an der Decke eine kleine Öllampe.

„Wann ist das Essen fertig?“ fragte Akbar nach einer Weile.

„Geduld, Majestät“, sagte Birbal ruhig. „Das Wasser wird gleich kochen.“

Akbar runzelte die Stirn. „Das ist Unsinn. Eine Lampe in dieser Höhe kann kein Wasser erhitzen.“

Birbal verneigte sich leicht. „Dann, Majestät, kann auch eine Lampe am Fluss keinen Mann wärmen.“

Akbar sah ihn an. Dann lachte er laut.

Am selben Tag erhielt der Mann seinen Lohn.

Birbal ging zurück an seinen Platz.Der Topf blieb kalt.Und die Gerechtigkeit war wieder warm.