Shivaismus – Shiva als höchstes Prinzip im Hinduismus
Der Shivaismus ist eine der drei großen Hauptströmungen des Hinduismus und stellt den Gott Shiva in den Mittelpunkt. Für seine Anhänger verkörpert Shiva das höchste, formlose Prinzip des Universums. Der Shivaismus vereint viele unterschiedliche Wege – von strenger Askese bis zu tiefgehender Philosophie und Yoga. Gemeinsam ist allen Strömungen die Suche nach Erkenntnis, Befreiung und innerer Transformation. Rituale, Meditation und die Führung durch einen Guru spielen dabei eine zentrale Rolle. Shiva steht im Shivaismus für Zerstörung als Voraussetzung für Erneuerung. Der Shivaismus umfasst zahlreiche Traditionen, von volkstümlicher Tempelverehrung bis zu nicht-dualistischer Philosophie wie dem kaschmirischen Shivaismus.
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Shivaismus – Eine der drei Hauptströmungen des Hinduismus
Der Shivaismus ist neben Vishnuismus und Shaktismus eine der drei großen religiösen Hauptströmungen des Hinduismus. Im Zentrum steht die Verehrung des Gottes Shiva, der für seine Anhänger die höchste Manifestation des formlosen Absoluten, des Brahman, darstellt. Shiva gilt dabei nicht nur als persönlicher Gott, sondern auch als allumfassendes metaphysisches Prinzip.
Die religiösen Praktiken und philosophischen Lehren des Shivaismus sind äußerst vielfältig. Je nach Schule finden sich monotheistische, monistische oder auch nicht-dualistische Auffassungen. Gemeinsam ist vielen shivaitischen Traditionen die große Bedeutung der Einweihung durch einen Guru, der den Schüler auf dem spirituellen Weg begleitet.
Schriften und geistige Grundlagen
Die Grundlagen des Shivaismus stützen sich auf verschiedene Textgattungen. Für die volkstümliche religiöse Praxis spielen die shivaistischen Puranas eine zentrale Rolle. Diese mythologischen Texte erzählen von Shiva, seinen Erscheinungsformen und Taten.
Der stärker philosophisch und esoterisch geprägte Shivaismus beruht hingegen auf den Tantras und Agamas. Diese Schriften vermitteln spirituelles Wissen, Rituale und metaphysische Lehren, in denen Shiva als das höchste Prinzip verehrt wird. Aus ihnen entwickelten sich eigenständige philosophische Systeme mit unterschiedlichen Weltanschauungen.
Wichtige shivaitische Strömungen und Sekten
Der Shivaismus besteht aus zahlreichen, teils sehr unterschiedlichen Richtungen:
PashupatasEine der ältesten shivaitischen Gruppen, bereits vorchristlich belegt. Shiva wird hier als Pashupati, der „Herr der Wesen“, verehrt. Die Bewegung ist asketisch geprägt und sieht in Shiva einen gnädigen Erlöser.
Natha-TraditionEntstanden im 8./9. Jahrhundert n. Chr., benannt nach Nath, einem Beinamen Shivas. Die Nathas lehnen Kastengrenzen ab und verbinden Askese mit yogischen Praktiken.
Kaschmirischer ShivaismusEbenfalls im 8./9. Jahrhundert entstanden. Diese nicht-dualistische Philosophie lehrt, dass alle Wesen in ihrem innersten Wesen identisch mit Shiva sind, diese Wahrheit jedoch durch Maya (Illusion) nicht erkennen.
LingayatsEine monotheistische Bewegung ab dem 12. Jahrhundert. Lingayats tragen stets ein Lingam als persönliches Symbol Shivas bei sich. Sie lehnen Kastensystem und die Autorität der Veden ab.
Asketische Praktiken und extreme Formen
Im Shivaismus finden sich auch besonders asketische und radikale Ausdrucksformen.
Naga-Sadhus treten bei Festen oft unbekleidet auf und leben in strenger Askese.
Aghoris gelten als die extremste Gruppe. Sie leben bewusst außerhalb gesellschaftlicher Normen, oft an Leichenplätzen, um jede Form von Dualität, Reinheit und Unreinheit zu überwinden. Ihr Verhalten soll die vollständige Loslösung von der Welt symbolisieren.
Erkennungszeichen shivaitischer Gläubiger
Typisch für shivaitische Asketen ist das Einreiben des Körpers mit Asche (Vibhuti). Charakteristisch sind außerdem drei waagerechte weiße Aschestriche auf der Stirn, oft ergänzt durch einen roten Punkt. Dieses Zeichen symbolisiert Vergänglichkeit, Askese und die drei kosmischen Kräfte. Viele Laien tragen es zumindest während Gebeten oder religiöser Rituale.
Fazit
Der Shivaismus ist eine vielschichtige religiöse Tradition, die Askese, Philosophie, Ritual und Mystik miteinander verbindet. Von volkstümlicher Verehrung bis zu hochkomplexen metaphysischen Lehren reicht sein Spektrum. Gemeinsam ist allen Strömungen die Ausrichtung auf Shiva als höchste Wirklichkeit und als Weg zur spirituellen Befreiung.
