Birbal und die falschen Zeugen
Am Hof von Kaiser Akbar erschien eines Tages ein Mann mit ernster Miene. Er verneigte sich tief und klagte, man habe ihn um Geld betrogen. Zwei Zeugen begleiteten ihn. Beide bestätigten jedes Wort seiner Geschichte, schnell, sicher und ohne zu zögern.
Der beschuldigte Mann widersprach ruhig. Er sprach wenig, doch seine Augen blieben klar. Er sagte nur:„Majestät, ich vertraue auf eure Gerechtigkeit.“
Akbar hörte beide Seiten an. Die Zeugen sprachen ausführlich, beinahe zu ausführlich. Jeder Satz saß, jede Erinnerung war exakt. Zu exakt.
Akbar wandte sich an Birbal. „Was meinst du?“
Birbal trat vor und betrachtete die beiden Zeugen aufmerksam. Dann sagte er ruhig:„Majestät, ich bitte euch, die Verhandlung auf morgen zu vertagen.“
Ein Raunen ging durch den Hof, doch Akbar nickte.
Am nächsten Morgen standen alle wieder versammelt. Birbal kam etwas verspätet, verbeugte sich und sagte entschuldigend:„Verzeiht, Majestät. Mein Weg war heute länger als gestern.“
„Warum?“ fragte Akbar.
Birbal deutete auf die Zeugen. „Weil diese beiden Herren gestern sagten, sie hätten den Vorfall aus weiter Entfernung gesehen. Heute sagten sie, sie hätten direkt daneben gestanden. Ich wollte prüfen, wie weit ihre Erinnerung noch reicht.“
Die Zeugen wurden blass. Einer öffnete den Mund, sagte aber nichts. Der andere senkte den Blick.
Birbal fuhr fort:„Wahre Zeugen erinnern sich an das Wesentliche. Falsche an das, was nützlich ist.“
Akbar ließ die Männer abführen. Der Kläger schwieg. Der Beschuldigte verneigte sich tief.
Der Hof atmete auf.
Birbal ging zurück an seinen Platz.Und die Wahrheit brauchte kein weiteres Wort
