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Shiva am Berg Kailash

Einleitung

Shiva ist nicht der Gott der Eile. Während andere planen, warten oder diskutieren, sitzt er einfach da. Auf dem Berg Kailash zeigt er, dass Stillsein manchmal wirksamer ist als jede Aktion. Diese Geschichte erzählt mit einem Augenzwinkern davon, wie Präsenz mehr bewegt als hektisches Tun. Sie lädt dazu ein, den perfekten Moment nicht zu erzwingen. Und vielleicht kurz still zu werden.


Falls du gerade keine Zeit hast, nichts zu tun: kein Problem. Shiva läuft nicht weg. Die nächste Geschichte wartet geduldig auf dich.


Shiva am Berg Kailash

Shiva und die Sache mit dem perfekten Moment

Shiva saß wie so oft auf dem Berg Kailash. Still, unbewegt, tief versunken. Tage vergingen. Vielleicht auch Jahre. Niemand war sich ganz sicher, denn Zeit verhielt sich in seiner Nähe etwas schüchtern. Neben ihm lag sein Dreizack, um ihn herum Schnee, Stille und ein Gefühl, dass gerade nichts verbessert werden musste.

Unten im Tal jedoch herrschte Aufregung. Die Götter hatten ein Problem. Eigentlich mehrere. Das Universum war aus dem Gleichgewicht geraten, Dämonen machten Überstunden und irgendjemand musste dringend etwas unternehmen. Also schickten sie einen Boten zu Shiva.

Der Bote kam an, verbeugte sich tief und räusperte sich vorsichtig. „Großer Shiva“, begann er ehrfürchtig, „der richtige Moment ist gekommen.“

Shiva öffnete ein Auge. „Ist er das?“ fragte er ruhig.

Der Bote nickte eifrig. „Ja! Jetzt! Sofort! “Shiva schloss das Auge wieder. „Dann ist er vermutlich schon vorbei.“

Der Bote war verwirrt. „Aber… wir brauchen deine Hilfe! “Shiva lächelte kaum sichtbar. „Ihr braucht sie immer dann, wenn ihr glaubt, keine Zeit zu haben.“

Parvati, die alles beobachtet hatte, trat näher. „Warum wartest du immer?“ fragte sie schmunzelnd. Shiva öffnete nun beide Augen. „Ich warte nicht. Ich bin da.“

Die Götter diskutierten hektisch. Pläne wurden gemacht, verworfen, neu gedacht. Shiva stand schließlich auf, streckte sich – ein Vorgang, der mehrere kosmische Ebenen leicht erschütterte – und nahm seinen Dreizack.

„Jetzt?“ fragte Parvati. Shiva nickte. „Jetzt.“

„Warum jetzt?“ „Weil ihr aufgehört habt zu drängen.“

Mit einem einzigen Schritt war Shiva dort, wo er gebraucht wurde. Nicht zu früh. Nicht zu spät. Genau richtig. Das Problem löste sich schneller, als es entstanden war.

Später fragte jemand vorsichtig: „Wie weißt du immer, wann der richtige Moment ist? “Shiva antwortete gelassen: „Wenn du aufhörst, ihn zu suchen.“

Dann setzte er sich wieder. Der Berg wurde still. Die Zeit atmete auf.

Und irgendwo verstand jemand zum ersten Mal: Nicht alles braucht Aktion. Manches braucht Präsenz.