Zum Hauptinhalt springen

Der Jainismus

Der Jainismus ist eine der ältesten Religionen Indiens und zugleich eine der konsequentesten. Er stellt nicht den Glauben, sondern das Handeln in den Mittelpunkt. Gewaltlosigkeit, Selbstdisziplin und Verantwortung gegenüber allem Leben prägen diesen spirituellen Weg. Der Jainismus kennt keinen Schöpfergott und vertraut ganz auf die Kraft der eigenen Taten. Ziel ist die Befreiung der Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburt. Dieser Weg ist still, anspruchsvoll und bewusst gewählt. Der Jainismus sucht keine Masse, sondern innere Klarheit.


Der Jainismus geht sehr achtsam vor. Wenn dir das heute zu langsam ist – kein Problem. Die nächste Religion wartet schon.


Porträt eines jainistischen Gläubigen

Jainismus

Jainismus – radikale Gewaltlosigkeit und stille Konsequenz

Der Jainismus gehört zu den ältesten Religionen Indiens – und zugleich zu den konsequentesten. Er ist leise, unspektakulär und fordert dennoch enorm viel. Während andere Religionen fragen, woran man glaubt, fragt der Jainismus vor allem: Wie lebst du – und wem schadest du dabei?

Entstanden ist der Jainismus etwa im 6. Jahrhundert v. Chr., zur selben Zeit wie der Buddhismus. Sein bekanntester Lehrer ist Mahavira, der als 24. und letzter Tirthankara gilt – ein spiritueller „Wegbereiter“, der den Menschen den Pfad zur Befreiung gezeigt hat.

Kein Gott, kein Schöpfer – nur Verantwortung

Der Jainismus kennt keinen Schöpfergott. Das Universum ist ewig, ohne Anfang und Ende. Erlösung hängt nicht von göttlicher Gnade ab, sondern allein vom eigenen Handeln. Jeder Mensch trägt die volle Verantwortung für sein Karma.

Ziel ist die Befreiung der Seele (Moksha) aus dem Kreislauf von Wiedergeburt. Der Weg dorthin ist klar, aber anspruchsvoll: Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, Enthaltsamkeit und Besitzlosigkeit.

Oder kurz gesagt: Der Jainismus ist nichts für spirituelle Abkürzungen.

Ahimsa – Gewaltlosigkeit ohne Ausnahme

Das Herz des Jainismus ist Ahimsa, die radikale Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen – Menschen, Tieren, Insekten, ja sogar Mikroorganismen. Jain-Mönche fegen den Boden vor sich, tragen Mundschutz, um keine Insekten einzuatmen, und essen nur streng vegetarisch, oft ohne Wurzelgemüse, um kein Leben zu zerstören.

Diese Konsequenz ist beeindruckend – und für Außenstehende manchmal schwer nachvollziehbar. Doch im Jainismus gilt: Jedes Leben ist gleich wertvoll.

Zwei Wege, ein Ziel

Der Jainismus kennt zwei Hauptströmungen:

  • Digambara – asketisch, radikal, teilweise mit nackten Mönchen

  • Shvetambara – weiß gekleidete Mönche, etwas weniger streng

Beide verfolgen dasselbe Ziel, unterscheiden sich aber in Praxis und Auslegung. Auch hier gilt: Vielfalt ohne Streit ist möglich.

Jainismus im Alltag – klein, aber einflussreich

Jains machen weniger als 0,5 % der indischen Bevölkerung aus, sind gesellschaftlich jedoch stark präsent – besonders im Handel, in der Wirtschaft und im Bildungsbereich. Viele erfolgreiche Unternehmerfamilien sind jainistisch geprägt. Disziplin, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit gelten als religiöse Tugenden.

Tempel, Feste und Rituale sind eher ruhig, sauber und strukturiert – passend zu einer Religion, die innere Klarheit höher schätzt als äußere Pracht.

Spannungen und Konflikte – selten, aber real

Der Jainismus ist eine der friedlichsten Religionen Indiens. Dennoch ist er nicht völlig frei von Spannungen. Als kleine Minderheit geraten Jains gelegentlich zwischen größere religiöse und politische Fronten. Konflikte entstehen meist nicht aus dem Jainismus selbst, sondern aus gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

In manchen Regionen kam es zu Spannungen wegen wirtschaftlicher Dominanz, strenger Vegetarismusforderungen oder Fragen rund um Tierrechte. Auch die extremen asketischen Praktiken der Digambara sorgen gelegentlich für Unverständnis oder Ablehnung. Offene Gewalt ist jedoch selten; Konflikte bleiben meist auf sozialer oder politischer Ebene.

Ein stiller Weg – aber kein einfacher

Der Jainismus ist keine Religion der Masse. Er ist anspruchsvoll, kompromisslos und verlangt Selbstdisziplin. Doch gerade darin liegt seine stille Stärke. Wer ihn ernst nimmt, lernt eine Haltung kennen, die Mitgefühl nicht predigt, sondern lebt.

Oder anders gesagt: Der Jainismus schreit nicht nach Erleuchtung – er geht leise dorthin.

Ein spirituelles Augenzwinkern zum Schluss

Der Jainismus ist radikal konsequent. Wenn dir das gerade zu streng ist – keine Sorge.

👉 In Indien gibt es noch andere Wege. Die nächste Religion wartet schon.