Panchamukha Shiva – Der fünffache Shiva
Shiva ist eine der zentralen Gestalten des Hinduismus und verkörpert Zerstörung, Erneuerung und Befreiung zugleich. Er ist Asket und Tänzer, stiller Yogi und kosmische Kraft in Bewegung. Als Teil der Trimurti steht Shiva für den notwendigen Wandel, ohne den kein Neubeginn möglich ist. Seine Symbole – Lingam, Dreizack, Drittes Auge und der Tanz als Nataraja – verweisen auf tiefgehende spirituelle Zusammenhänge. Im Shivaismus gilt er als höchste Wirklichkeit jenseits aller Formen. Shiva ist damit weniger „Gott“ im westlichen Sinn als ein universelles Prinzip des Seins.
Falls dir beim Lesen gerade das Ego quengelt oder der Geist lieber tanzen gehen möchte: kein Karma-Problem. Shiva zerstört auch Ungeduld. Einfach weiter zur nächsten Geschichte – Om bleibt trotzdem bei dir.
Panchamukha Shiva zeigt Shiva mit fünf Gesichtern, die seine allumfassende Natur symbolisieren: Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, Verhüllung und Gnade. Als Sadashiva verkörpert er das höchste Bewusstsein jenseits von Dualität. Die fünf Aspekte stehen für die kosmischen Funktionen und die fünf Elemente. Das Motiv gilt als Sinnbild spiritueller Vollkommenheit, innerer Erkenntnis und universeller Ordnung im Hinduismus.
Shiva – Bedeutung, Symbole und Rolle im Hinduismus
Shiva ist eine der zentralen Gestalten des Hinduismus und gilt im Shivaismus als höchste Erscheinungsform des Göttlichen. Während sein Name in den Veden noch nicht vorkommt, erscheint er dort als Rudra, eine frühe, wilde und mächtige Gottheit. Erst in späteren Texten entwickelt sich Rudra zu Shiva, dem allumfassenden Prinzip von Zerstörung, Erneuerung und Befreiung.
Der Name Shiva bedeutet im Sanskrit „der Gütige“, „der Gnädige“ oder „der Freund“. In der hinduistischen Trimurti verkörpert er neben Brahma (Schöpfung) und Vishnu (Erhaltung) das Prinzip der Zerstörung – jedoch nicht im rein negativen Sinn, sondern als notwendige Voraussetzung für Erneuerung und Transformation.
Darstellung und Symbole Shivas
Shiva wird meist mit weißer oder aschegrauer Haut dargestellt, ein Zeichen seiner Askese. Häufig besitzt er einen blauen Hals (Nilakantha), der auf den Mythos vom Milchozean verweist: Shiva trank das tödliche Gift, um das Universum zu retten.
Weitere typische Merkmale sind:
Drittes Auge auf der Stirn – Symbol höherer Erkenntnis
Drei waagerechte Aschestriche (Vibhuti)
Schlange um den Hals – Kontrolle über Tod und Lebensenergie
Mondsichel im Haar – Zeit und Wandel
Göttin Ganga, die aus seinem Haar auf die Erde fließt
Dreizack (Trishul) und Trommel (Damaru) – Ursprung von Klang, Rhythmus und dem Urlaut Om
Shiva gilt als Quelle der kosmischen Schwingung, aus der die gesamte Schöpfung hervorgeht.
Shiva als kosmisches Prinzip
Shiva ist Herr über alles Belebte und Unbelebte. Er umfasst alle Daseinsformen – lebendgeborene, eigeborene, feuchtigkeitsgeborene und sprossgeborene Wesen – und steht zugleich für deren Auflösung. Damit verkörpert er den ewigen Kreislauf von Entstehen, Sein und Vergehen.
Die vielen Namen Shivas
Im Shiva-Purana werden 1008 Namen Shivas überliefert, die jeweils unterschiedliche Aspekte seines Wesens beschreiben. Zu den bekanntesten zählen:
Mahadeva – der große Gott
Nataraja – König des Tanzes
Bhairava – der Furchterregende
Mahesha – der höchste Herr
Nilakantha – der mit dem blauen Hals
Pashupati – Herr aller Wesen
Rudra – der Wilde
Shankara – der segensreich Wirkende
Vishwanatha – Herr des Universums
Aufgaben und Rollen Shivas
Shiva vereint scheinbare Gegensätze:
Zerstörer und Schöpfer
Asket und Liebesgott
Gott der Meditation und der Ekstase
Herr des Tanzes, der Feste und der Stille
Sein kosmischer Tanz als Nataraja symbolisiert die Dynamik des Universums.
Lingam und Nandi
Das wichtigste Symbol Shivas ist das Lingam, das in jedem Shiva-Tempel verehrt wird. Es steht für das formlose Göttliche und die schöpferische Energie. Häufig erscheint es in Verbindung mit der Yoni, dem weiblichen Prinzip der Schöpfung.
Shivas Reittier ist der Stier Nandi, Sinnbild für Kraft, Treue und Dharma.
Parvati, Durga und Kali – Shivas Gefährtin
Shivas Gefährtin erscheint in mehreren Formen:
Parvati – gütige Mutter, liebevolle Gemahlin, „Tochter der Berge“
Durga – kämpferische Göttin, Bezwingerin des Bösen, reitet auf einem Tiger
Kali – schwarze, furchterregende Göttin der Zeit und Transformation, mit einer Kette aus Totenköpfen
Diese Formen zeigen die weibliche Kraft (Shakti), ohne die Shiva als reines Bewusstsein wirkungslos wäre.
Fazit
Shiva ist nicht nur ein Gott, sondern ein kosmisches Prinzip. Er steht für Zerstörung als Voraussetzung für Neubeginn, für Askese und Leidenschaft, für Stille und Tanz. In seiner Vielschichtigkeit verkörpert er das tiefste Verständnis von Existenz, Wandel und spiritueller Befreiung im Hinduismus
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