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Der Wanderer

Einleitung

Manche Wege führen weit, andere führen tief. Der Wanderer dieser Geschichte hat viele Kilometer gesammelt, aber noch keine Ruhe gefunden. Tempel, Lehrer und heilige Orte liegen hinter ihm, doch seine Fragen sind geblieben. Erst am Rand eines unscheinbaren Dorfes verlangsamt sich sein Schritt. Dort, wo nichts Besonderes zu passieren scheint, beginnt sich etwas zu klären. Diese Geschichte erzählt leise davon, dass Suchen oft schneller ist als Finden. Und dass der Weg manchmal genau dort endet, wo man sich hinsetzt.

Falls du gerade lieber weitergehst: kein Problem. Auch der Wanderer musste erst müde werden. Die nächste Geschichte wartet schon am Wegesrand.


Der müde Wanderer sitzt am Wegesrand bei einem alten Sandalenmacher

Der Wanderer

Ein Wanderer war seit vielen Jahren unterwegs. Er hatte Berge überquert, Tempel besucht und bei Lehrern gesessen, deren Namen andere ehrfürchtig flüsterten. Sein Beutel war leicht, sein Kopf jedoch voll. Fragen begleiteten ihn auf jedem Schritt.

Eines Abends erreichte er ein Dorf. Am Rand des Weges saß ein alter Mann und reparierte Sandalen. Der Wanderer blieb stehen.„Du bist schon lange hier“, sagte er. „Weißt du, wo ich finden kann, was ich suche?“

Der Alte sah nicht auf. „Was suchst du denn?“„Erkenntnis“, sagte der Wanderer. „Freiheit. Wahrheit.“

Der Alte nickte und hielt eine Sandale hoch. „Dann bist du nah dran.“„Wie das?“ fragte der Wanderer irritiert.

„Du bist die ganze Zeit gegangen“, sagte der Alte, „aber du hast nie angehalten.“

Der Wanderer schwieg. Zum ersten Mal spürte er seine müden Füße, den Atem, den Boden unter sich. Der Weg war plötzlich kein Mittel mehr, sondern einfach da.

„Und wohin gehe ich jetzt?“ fragte er leise.Der Alte lächelte. „Wenn du hier bist, musst du nicht wissen, wohin.“

Der Wanderer setzte sich. Der Weg lief nicht davon. Und etwas in ihm kam an, ohne angekommen zu sein.