Birbal und der stumme Beweis
Am Hof von Kaiser Akbar erschien eines Tages ein Mann, der laut klagte, man habe ihm wertvollen Schmuck gestohlen. Er beschuldigte einen Diener, der schweigend vor ihm stand. Kein Wort der Verteidigung, kein Blick zur Seite. Nur Stille.
Der Kläger sprach lange. Er schilderte jedes Detail, beschrieb Ort und Zeit, nannte Zeugen, die jedoch zufällig verhindert waren. Seine Geschichte klang geschlossen, rund, überzeugend.
Akbar sah den Diener an. „Willst du nichts sagen?“
Der Diener senkte den Blick. „Nein, Majestät.“
Ein Murmeln ging durch den Hof. Schweigen wirkte wie ein Geständnis. Akbar wandte sich an Birbal.
Birbal trat vor, betrachtete beide Männer und sagte ruhig:„Majestät, erlaubt mir eine kleine Bitte. Lasst den Schmuck bringen.“
Ein Diener eilte davon und kam mit einer Schatulle zurück. Birbal öffnete sie nicht. Er stellte sie zwischen die beiden Männer.
„Wer von euch hat den Schmuck zuletzt berührt?“ fragte er.
Der Kläger antwortete sofort: „Ich natürlich.“
Birbal nickte. Dann wandte er sich an den stummen Diener. „Und du?“
Der Diener schwieg.
Birbal lächelte leicht. Er klopfte auf die geschlossene Schatulle.„Majestät“, sagte er, „der Schuldige weiß, was darin liegt. Der Unschuldige nicht – denn er hat nie hineingesehen.“
Er öffnete die Schatulle. Sie war leer.
Der Kläger wich einen Schritt zurück. Der Diener hob den Kopf.
„Der Schmuck“, sagte Birbal ruhig, „ist nicht hier. Aber die Gewissheit, wo er sein müsste, hat sich eben gezeigt.“
Akbar verstand. Der Kläger wurde abgeführt. Der Diener verneigte sich still.
Birbal ging zurück an seinen Platz.
Und der Hof lernte, dass Worte täuschen können –doch Stille manchmal alles sagt.
