Upanishaden
Upanishaden – das innere Wissen des Hinduismus
Die Upanishaden gehören zu den tiefgründigsten Texten des Hinduismus. Sie bilden den philosophischen Kern der Veden und beschäftigen sich nicht mit Ritualen oder Göttergeschichten, sondern mit den großen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Was ist Wirklichkeit? Was bleibt, wenn alles Vergängliche verschwindet?
Entstanden zwischen etwa 800 und 300 v. Chr., wurden die Upanishaden ursprünglich mündlich von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Der Name bedeutet sinngemäß „nahe dabeisitzen“ – gemeint ist das stille Lernen im direkten Austausch, nicht das Auswendiglernen von Regeln.
Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass das innerste Selbst des Menschen (Atman) identisch ist mit dem universellen Prinzip (Brahman). Diese Einsicht gilt als Schlüssel zur Befreiung (Moksha) aus dem Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt. Wissen ersetzt hier Opferhandlungen, Erfahrung ersetzt Glauben.
Typisch für die Upanishaden sind kurze Dialoge, Gleichnisse und paradoxe Aussagen. Sie erklären nicht alles logisch, sondern führen den Leser bewusst an die Grenze des Denkens. Wahrheit soll nicht verstanden, sondern erkannt werden.
Die Upanishaden sind keine Dogmen und kein Glaubenssystem. Sie laden ein zum Fragen, Zweifeln und Nachdenken. Wer Antworten sucht, findet Hinweise. Wer absolute Gewissheiten erwartet, lernt Gelassenheit.
Oder anders gesagt: Die Upanishaden geben keine fertigen Lösungen – sie verändern die Art, wie man sucht.
