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Birbal steht ruhig zwischen zwei streitenden Männern am Hof Akbars

Birbal und die gestohlene Stille

Am Hof von Kaiser Akbar erschien eines Tages ein Mann mit verärgerter Miene.„Majestät“, sagte er, „mein Nachbar raubt mir meine Ruhe. Tag und Nacht redet er, singt, lacht. Ich kann nicht mehr still sein.“

Der Nachbar trat vor, verbeugte sich und sagte ruhig:„Ich habe ihm nichts weggenommen. Ich bin nur ich selbst.“

Akbar hörte beide an und wandte sich an Birbal.„Kann man Stille stehlen?“ fragte er.

Birbal trat vor und bat um einen Moment. Er ließ alle Höflinge näherkommen, so dicht, dass kaum Platz blieb. Dann sagte er:„Jetzt soll jeder schweigen.“

Der Hof wurde still. Doch die Enge war spürbar. Husten, Rascheln, unruhige Schritte. Die Stille war schwer.

Birbal hob die Hand. „Nun geht auseinander.“

Die Höflinge traten zurück. Der Raum wurde weit. Die Stille kehrte zurück, ohne Anstrengung.

Birbal sah den Kläger an.„Stille“, sagte er ruhig, „wird nicht genommen. Sie verschwindet, wenn man sie festhalten will.“

Akbar nickte. „Und dein Urteil?“

Birbal verneigte sich.„Der Nachbar darf reden. Der Kläger darf gehen. Wer Ruhe sucht, muss Raum schaffen – nicht Forderungen.“

Der Kläger schwieg. Der Nachbar lächelte.Birbal ging zurück an seinen Platz.

Und am Hof lernte man an diesem Tag,dass Stille nicht dort lebt, wo man sie verlangt –sondern dort, wo man nichts festhält.