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Birbal entlarvt den Dieb mit einer Wasserschale vor Kaiser Akbar im prunkvollen Hof.

Birbal und der Ring der Wahrheit

Am Hof von Kaiser Akbar erschien eines Tages ein Mann, der behauptete, ein kostbarer Ring sei ihm gestohlen worden. Der Ring sei nicht nur wertvoll, sagte er, sondern ein Erbstück. Mehrere Diener standen im Raum. Jeder schwieg. Jeder sah unauffällig zu Boden.

Akbar hörte sich die Klage an und runzelte die Stirn.„Wer von euch hat den Ring genommen?“ fragte er in die Runde.

Niemand antwortete.

Akbar wandte sich an Birbal. „Ohne Geständnis kommen wir nicht weiter.“

Birbal trat vor, betrachtete die Diener und sagte ruhig:„Majestät, der Ring wird heute von selbst zu seinem Besitzer zurückkehren.“

Ein leises Murmeln ging durch den Hof.

Birbal ließ eine Schale mit Wasser bringen und stellte sie in die Mitte. Dann sagte er:„Der Ring besitzt eine besondere Eigenschaft. Wer ihn gestohlen hat, dessen Spiegelbild wird sich im Wasser bewegen. Die Unschuldigen bleiben still.“

Einer nach dem anderen trat an die Schale. Alle blickten konzentriert auf ihr Spiegelbild. Einer zuckte zusammen, trat hastig zurück und verschränkte die Arme.

Birbal deutete ruhig auf ihn.„Der Ring ist in deiner Tasche.“

Der Diener erschrak, griff instinktiv an seine Seite – und verriet sich selbst.

Akbar nickte. Der Ring wurde gefunden, der Mann abgeführt.

Als der Hof sich leerte, fragte Akbar:„Birbal, hatte der Ring wirklich diese Eigenschaft?“

Birbal lächelte leicht.„Nein, Majestät. Aber die Angst bewegt schneller als jedes Spiegelbild.“

Der Ring kehrte zu seinem Besitzer zurück.Und die Wahrheit zeigte sich dort, wo niemand hingesehen hatte.