Pashupati – Herr der Lebewesen und uralter Aspekt Shivas
Pashupati ist eine der ältesten und ursprünglichsten Erscheinungsformen des Gottes Shiva. Der Name setzt sich aus Pashu (Lebewesen, Tiere, gebundene Seelen) und Pati (Herr, Beschützer) zusammen und bedeutet „Herr aller Lebewesen“. Pashupati verkörpert Shivas Rolle als Schutzgott, Hüter der Natur und Befreier der Seelen.
Bereits im Indus-Tal (ca. 2500 v. Chr.) findet sich eine bekannte Siegel-Darstellung einer sitzenden Gottheit, umgeben von Tieren, die oft als Proto-Pashupati gedeutet wird. Damit gilt Pashupati als eine der ältesten bekannten Gottheitsformen Indiens. Diese Darstellung zeigt Shiva nicht als Zerstörer, sondern als ruhigen, beherrschenden Mittelpunkt des Lebens.
Im Hinduismus steht Pashupati für die Beziehung zwischen Seele und Bindung. Die Lebewesen sind durch Unwissenheit, Karma und Begierde gebunden (Pasha), während Pashupati als göttlicher Herr die Befreiung (Moksha) ermöglicht. Er ist damit nicht nur Tierherr, sondern auch spiritueller Befreier.
Ikonografisch wird Pashupati häufig meditierend, von Tieren umgeben oder mit Symbolen der Askese dargestellt. Diese Tiere stehen für die Instinkte, die Shiva beherrscht, nicht unterdrückt. Besonders im Pashupata-Shivaismus, einer frühen shaivistischen Schule, spielt Pashupati eine zentrale Rolle als höchstes Prinzip.
Pashupati verkörpert eine grundlegende Lehre des Hinduismus: Herrschaft bedeutet Schutz, nicht Ausbeutung. Der Mensch ist Teil der Natur, nicht ihr Besitzer. Shiva als Pashupati ist der Wächter dieses Gleichgewichts.
