Mahavatar Babaji
Einleitung
Hoch oben im Himalaya, wo Wege verschwinden und Stille lauter wird als Worte, taucht der Name Mahavatar Babaji immer wieder auf. Man sagt, er erscheine, wenn man aufhört, ihn zu suchen. Diese Geschichte nähert sich ihm nicht als Legende, sondern als leiser Begegnung. Ohne Wunder, ohne Versprechen, dafür mit viel Raum zwischen den Gedanken. Sie erzählt von einem Blick, der nichts erklärt und doch alles ordnet. Ganz ruhig. Ganz unaufdringlich.
Falls dein Geist heute lieber bodennah bleibt: kein Problem. Auch Babaji soll spontan auftauchen. Geh einfach zur nächsten Geschichte weiter
Der stille Blick von Mahavatar Babaji
Hoch oben im Himalaya, dort wo Worte dünn werden und Gedanken langsamer gehen, soll Mahavatar Babaji leben. Niemand weiß genau, seit wann. Und niemand scheint es wirklich wissen zu müssen. Wer von ihm spricht, tut es leise – nicht aus Ehrfurcht, sondern weil Lautstärke hier fehl am Platz ist.
Ein junger Suchender machte sich auf den Weg zu ihm. Er hatte Bücher gelesen, Disziplin geübt und seinen Alltag gegen Schnee und Stille eingetauscht. Wochenlang stieg er höher, getrieben von der Hoffnung, einem Unsterblichen zu begegnen. Jemandem, der Antworten geben konnte.
Eines Morgens saß Babaji plötzlich vor ihm. Kein Donner, kein Licht, kein großes Zeichen. Nur ein Mensch mit ruhigem Blick.„Bist du Mahavatar Babaji?“ fragte der Suchende ehrfürchtig.
Babaji sah ihn an, als hätte er diese Frage schon sehr oft gehört. „Wen suchst du?“„Dich“, sagte der junge Mann. „Den Meister.“
Babaji lächelte kaum merklich. „Dann hast du einen langen Weg gemacht, um hier jemanden zu treffen, der nichts Besonderes tut.“
Der Suchende war verwirrt. „Man sagt, du seist unsterblich.“„Man sagt vieles“, antwortete Babaji ruhig. „Unsterblichkeit ist nur für den interessant, der Angst vor dem Ende hat.“
Der Wind wehte durch die Felsen. Der junge Mann wartete auf eine Lehre, ein Mantra, ein Geheimnis. Doch Babaji schwieg. Sein Blick war klar, offen und still – wie ein Spiegel ohne Meinung.
„Was soll ich tun?“ fragte der Suchende schließlich.Babaji antwortete sanft: „Hör auf, jemand werden zu wollen.“
In diesem Moment verstand der junge Mann nichts. Aber etwas löste sich. Als er blinzelte, war Babaji nicht mehr da. Kein Abschied. Kein Beweis.
Doch beim Abstieg merkte der Suchende, dass er weniger trug als zuvor. Und dass Stille manchmal die deutlichste Antwort ist.
Ob Mahavatar Babaji wirklich dort oben lebt, spielt keine Rolle.Wichtiger ist, dass manche Begegnungen keinen Körper brauchen – nur einen wachen Blick.
