Zum Hauptinhalt springen
Birbal steht ruhig vor zwei streitenden Männern am Hof von Akbar, während der Kaiser aufmerksam zuhört.

Birbal und die gestohlene Zeit

Eines Morgens erschien ein Mann am Hof von Kaiser Akbar, sichtbar empört.„Majestät“, sagte er, „mein Nachbar hat mir Zeit gestohlen.“

Ein leises Lachen ging durch den Hof.

Der Nachbar trat vor und schüttelte den Kopf. „Ich habe ihm nichts genommen. Ich habe nur mit ihm gesprochen.“

Akbar hob die Hand. „Erkläre dich.“

Der Kläger sprach hastig: „Er kommt jeden Tag zu mir, redet ohne Ende, hält mich von meiner Arbeit ab. Meine Zeit ist verloren. Dafür will ich Entschädigung.“

Die Höflinge murmelten. Einige nickten, andere grinsten. Akbar wandte sich an Birbal.

Birbal trat vor, sah beide Männer an und fragte ruhig:„Wie lange hat er mit dir gesprochen?“

„Sehr lange“, sagte der Kläger. „Jeden Tag.“

Birbal nickte. „Und hast du ihm zugehört?“

Der Mann zögerte. „Ja.“

Birbal lächelte leicht. „Dann hat er dir keine Zeit gestohlen. Du hast sie verschenkt.“

Stille.

Birbal fuhr fort: „Zeit kann man nicht nehmen. Man kann sie nur geben. Manchmal freiwillig. Manchmal aus Gewohnheit.“

Akbar lachte leise. „Und was ist dein Urteil?“

Birbal verneigte sich. „Der Nachbar soll weiterhin reden dürfen. Der Kläger darf jederzeit gehen.“

Der Kläger schwieg. Der Nachbar verbeugte sich dankbar.

Der Hof zerstreute sich. Birbal ging zurück an seinen Platz.

Und manch einer merkte an diesem Tag,dass Zeit nicht dort verloren geht, wo gesprochen wird –sondern dort, wo man bleibt, obwohl man gehen könnte.