Birbal und das Gewicht der Worte
Am Hof von Kaiser Akbar erschien eines Tages ein Mann, der lautstark klagte. Ein Nachbar habe ihn beleidigt, sagte er, schwer und öffentlich. Die Worte hätten seinen Ruf beschädigt, seinen Namen beschwert und seinen Schlaf gestört.
Der Beschuldigte stand daneben und schwieg. Er wirkte weder trotzig noch schuldbewusst, nur müde.
Akbar hörte sich die Klage an und fragte schließlich:„Was genau wurde gesagt?“
Der Kläger wiederholte die Worte, langsam und deutlich, als wolle er sicherstellen, dass sie ihr Ziel ein zweites Mal trafen. Ein Raunen ging durch den Hof.
Akbar wandte sich an Birbal. „Wie urteilst du?“
Birbal trat vor und sagte ruhig:„Majestät, erlaubt mir einen kleinen Versuch.“
Er ließ eine Waage bringen und legte auf die eine Seite einen leeren Sack. Dann wandte er sich an den Kläger.„Sprich die Beleidigung noch einmal“, sagte er.
Der Mann tat es, mit Nachdruck.
Birbal füllte Sand in den Sack.
„Noch einmal“, sagte Birbal.
Wieder sprach der Mann. Mehr Sand fiel in den Sack.
Nach dem dritten Mal war der Sack schwer. Birbal hob ihn an, ließ ihn auf die Waagschale fallen und sagte:„Das sind deine Worte.“
Dann wandte er sich an den Beschuldigten.„Nimm sie zurück.“
Der Mann hob den Sack an. Er versuchte, den Sand wieder auszuschütten. Doch der Wind hatte bereits einen Teil verweht, anderes war zwischen die Steine gefallen.
„Ich kann nicht alles zurückgeben“, sagte er leise.
Birbal nickte.„Worte haben Gewicht“, sagte er ruhig. „Und nicht jedes lässt sich wieder einsammeln.“
Akbar sah die Waage an, dann den Kläger.„Du wolltest, dass die Worte gehört werden“, sagte er. „Nun hast du gesehen, was sie tragen.“
Der Streit wurde beendet. Niemand wurde bestraft. Niemand gewann.
Birbal kehrte an seinen Platz zurück.Und im Hof wurde es für eine Weile stiller.
