Die drei Weisen am Fluss
Drei heilige Männer waren gemeinsam unterwegs durch Nordindien. Sie reisten ohne Eile, ohne Ziel, nur begleitet von Staub auf den Füßen und Stille zwischen den Worten.
Der erste war ein Yogi, schlank, barfuß, mit klarem Blick.Der zweite ein tantrischer Sadhu, in Tücher gehüllt, voller Feuer und Bewegung.Der dritte ein alter Vedanta-Lehrer, unscheinbar, mit einem Stock in der Hand und einem leisen Lächeln.
Nach Tagen des Wanderns erreichten sie einen Fluss. Das Schmelzwasser aus den Bergen hatte die alte Holzbrücke fortgerissen. Das Wasser floss schnell und kalt.
Der Yogi trat vor.„Ich zeige euch, wie man einen Fluss überquert“, sagte er ruhig.Er schloss die Augen, setzte einen Fuß auf das Wasser – und ging tatsächlich über die Oberfläche, Schritt für Schritt, bis er das andere Ufer erreichte.
Der Sadhu lachte laut.„Das ist doch umständlich“, rief er. „Schaut gut hin.“Er begann sich zu drehen, immer schneller, bis Staub und Gewand eins wurden. Mit einem plötzlichen Sprung landete er auf der anderen Seite des Flusses, lachend vor Kraft.
Der Vedanta-Lehrer schüttelte den Kopf.„Ihr macht euch unnötig Mühe“, sagte er.
Er hob sein Gewand an, tastete sich vorsichtig ins Wasser und—allmählich, Schritt für Schritt—watete er durch den Fluss. Das Wasser reichte ihm bis zu den Knien, dann bis zur Hüfte. Er rutschte einmal aus, lachte leise und ging weiter. Schließlich erreichte auch er das andere Ufer.
Der Yogi und der Sadhu schauten ihn an.„Warum hast du keine Kraft gezeigt?“, fragten sie.
Der alte Lehrer klopfte seinen Stock trocken.„Ich wollte nur hinüber“, sagte er. „Nicht beeindrucken.“
Die drei setzten ihren Weg fort. Der Fluss floss weiter, unbeeindruckt von allen Methoden.
Weisheit: Manche suchen Wunder, manche Macht. Doch Weisheit fragt nicht, wie besonders ein Weg ist, sondern ob er wirklich nötig ist.
