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Dakshinamurti – Shiva als Lehrer der höchsten Erkenntnis

Dakshinamurti ist eine tiefgründige und ruhige Erscheinungsform des Gottes Shiva. In dieser Gestalt erscheint Shiva nicht als Zerstörer oder Asket, sondern als göttlicher Lehrer (Guru), der die höchste Wahrheit durch Stille vermittelt. Der Name bedeutet „der nach Süden Blickende“ – im Hinduismus ist der Süden die Richtung des Todes und der Unwissenheit, die Dakshinamurti durch Wissen überwindet.

Ikonografisch wird Dakshinamurti unter einem Banyanbaum sitzend dargestellt, umgeben von Weisen (Rishis). Er hält oft eine Geste der Erkenntnis (Chinmudra), während sein Fuß den Dämon Apasmara niederhält, der Unwissenheit und Vergessen symbolisiert. Diese Darstellung macht deutlich: Wissen befreit den Menschen aus dem Kreislauf von Illusion und Leiden.

Spirituell steht Dakshinamurti für Jnana Yoga, den Weg der Erkenntnis. Seine Lehre erfolgt nicht durch Worte, sondern durch innere Einsicht. Er verkörpert die Idee, dass wahres Wissen nicht erlernt, sondern erinnert wird. Deshalb gilt Dakshinamurti als Ur-Guru aller Lehrer.

In vielen shaivistischen und vedantischen Traditionen wird Dakshinamurti als höchste Form Shivas verehrt. Besonders im Süden Indiens ist sein Kult verbreitet, oft in Tempelanlagen als eigenständige Darstellung.

Dakshinamurti zeigt eine zentrale Wahrheit des Hinduismus: Stille ist die tiefste Form der Lehre.

Darstellung von Dakshinamurti als lehrender Aspekt Shivas unter einem Banyanbaum. Meditative Haltung, Handgeste der Erkenntnis (Chinmudra), umgeben von Weisen. Symbol für Wissen, Stille und Befreiung durch Erkenntnis.