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Birbal schlichtet einen Streit am Brunnen vor Kaiser Akbar

Birbal und der Brunnen

Eines Tages kam ein wohlhabender Mann aufgebracht zum Hof von Kaiser Akbar. Er verneigte sich hastig und klagte laut:„Majestät, mein Nachbar schuldet mir Geld und weigert sich zu zahlen.“

Der Nachbar trat vor. Ruhig, fast gelassen.„Ich schulde ihm nichts“, sagte er. „Ich habe ihm nur einen Brunnen abgekauft.“

Ein Raunen ging durch den Hof. Akbar blickte von einem zum anderen.„Ein Brunnen?“ fragte er. „Und darüber streitet ihr?“

Der Kläger nickte heftig. „Der Brunnen gehört mir nicht mehr, das stimmt. Aber das Wasser darin gehört weiterhin mir!“

Die Höflinge begannen zu diskutieren. Einige nickten zustimmend, andere lachten leise. Worte flogen durch den Raum, jeder fand Argumente. Akbar hörte geduldig zu und wandte sich schließlich an Birbal.

„Was sagst du dazu?“

Birbal trat vor, sah beide Männer an und nickte langsam.„Der Mann hat recht“, sagte er. „Der Brunnen gehört dem Käufer. Das Wasser gehört dem Verkäufer.“

Der Kläger strahlte. Der andere erstarrte.

Birbal fuhr fort: „Allerdings“, sagte er ruhig, „darf dann das Wasser nicht länger im Brunnen bleiben. Es lagert dort ohne Erlaubnis.“

Stille.

„Das Wasser“, sagte Birbal, „muss sofort aus dem Brunnen entfernt werden. Bis dahin ist eine tägliche Lagergebühr an den Brunnenbesitzer zu zahlen.“

Der Kläger öffnete den Mund – und schloss ihn wieder.

Akbar lachte laut. „Sehr gerecht“, sagte er. „Entweder das Wasser geht, oder das Geld fließt.“

Der Streit war beendet. Der Brunnen blieb ruhig.Und der Verstand hatte wieder einmal gewonnen.